Im Spiel und im Fluss bleiben

Der Soldiner Kiezverein kennt und spricht mit allen Gruppen im Stadtteil. Vernetzung ist heute sein oberstes Vereinsziel. Und er will „weiter im Spiel bleiben“

Soldiner Kiezverein

Mitglieder des Soldiner Kiezvereins beim Kiezpalaver. Foto Andrei Schnell

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Logo des Soldiner Kiezvereins. Grafik: Verein

„Das wird kein typisches Kiezpalaver“, sagt Vorstand Thomas Kilian gleich zu Beginn des Vereinstreffens am 13. März. Dieses Mal sind vier Gäste gekommen: zwei Vertreter des Mieterbeirats der Wohnungsbaugesellschaft Degewo im Soldiner Kiez. Und zwei Vertreter der Gemeinschaftsgärtner Wilde 17 sitzen mit am Tisch. Untypisch ist, dass heute vor allem die Gäste reden. Üblich ist, dass beim Kiezpalaver über aktuelle Kiezthemen diskutiert wird. Dafür bleibt heute nur wenig Zeit. Und doch ist das heutige Kiezpalaver in gewisser Weise doch wieder typisch. Denn ein zentrales Merkmal der Vereinsarbeit – wenn man so will eine Spielregel des Vereins - zeigt sich an diesem Abend deutlich: Vernetzung im Kiez.

Mitten im Soldiner Kiez

„Unser Ehrgeiz ist es, den Überblick über Entwicklungen im Soldiner Kiez zu haben, alle Akteure zu kennen und zwischen den verschiedenen aktiven Gruppen im Stadtteil für Kommunikation zu sorgen.“ Diese Überschrift setzt Thomas Kilian über die zahlreichen Tätigkeiten des Soldiner Kiezvereins. So wird die Veranstaltungsreihe „Talk im Kiez“ drei bis vier mal im Jahr organisiert, einmal Jahr wird zum öffentlichen interreligiösen Gespräch eingeladen. Es gibt die Reihe philosophisches Café und stadtgeschichtliche Führungen sowie Kulturveranstaltungen unter dem Namen Schöne Kiezmomente. „Und außerdem haben wir noch wilde Spiele wie das philosophische Kabarett“, sagt Thomas Kilian. Für das Projekt „Alt bleibt neu“ – ein Repaircafé – erhält der Verein eine Förderung des Quartiersmanagements Badstraße.

Im Verein tummeln sich rund 25 zahlende Mitglieder, von denen knapp zehn aktiv sind. Das heißt, sie kommen mindestens zu den monatlichen Vereinstreffen, die wortspielerisch Kiezpalaver genannt werden. Über einen monatlichen Newsletter lädt der Bürgerverein zu diesen öffentlichen Treffen alle Menschen ein, die sich für den Soldiner Kiez interessieren.

Vereinsgeschichte: 17 Jahre Beweglichkeit

Gegründet wurde der Verein am 18. Juni 2002. Der erste Vorstand bestand aus dem Schulleiter Martin Hilbert, Ute Welsch vom Kindergarten Villa Römer und Peter Slawik, der ein kleines Kulturzentrum in der Prinzenallee 25 leitete. „Das war zunächst ein Koordinierungsverein für professionelle Kiezarbeiter“, kommentiert Thomas Kilian zurückblickend. Er selbst ist seit 2004 mit Unterbrechungen im Vorstand, wie auch Thomas Brauckmann. 2009 kam die heutige Vorständin Diana Schaal hinzu und 2015 Stefan Höppe.

Der Schwerpunkt der Vereinsarbeit hat sich in den zurückliegenden Jahren mehrmals geändert. Etwa fünf Jahre lang wurde in einem ehemaligen Verwaltungsgebäude des Vaterländischen Bauvereins hinter der Stephanuskirche ein Kulturzentrum betrieben. Später steckte der Verein viel Arbeit in die Erforschung der Kiezgeschichte. „Heute sind wir ein Vernetzungsverein“, sagt Thomas Kilian. Denn: „Wir sind uns bewusst, dass wir nicht DER eine große Verein im Kiez sind. In einem pluralen Kiez gibt es verschiedene Gruppierungen.“ Der Verein sieht sich als ein Spieler unter vielen. „Wir telefonieren mit allen Akteuren, organisieren informative Veranstaltungen oder wir treffen uns“, beschreibt Thomas Kilian diese Vernetzungsarbeit. Wichtig ist dem Verein auch, in der bezirklichen Verwaltung als Ansprechpartner wahrgenommen zu werden. „Ich selbst habe bei der Entwicklung der Leitlinien für Beteiligung mitdiskutiert. Aktuell gibt es im Bezirksamt Gespräche über die Zusammenarbeit von Verwaltung und Bürgervereine. Da bin ich ebenfalls dabei“, sagt Thomas Kilian über diese Art der Vernetzung.

Vernetzung als Nachbarschaftshilfe

Kein Zufall also, dass Vernetzung auch beim Kiezpalaver mit den vier Gästen am 13. März Hauptthema ist. Während es beim Gespräch mit dem Mieterbeirat um gegenseitiges Kennenlernen geht, wird es beim Gespräch mit der Wilden 17 sehr konkret. Die Gemeinschaftsgärtner brauchen einen gemeinnützigen Verein als Partner, um für ihre Hochbeete eine Fläche anmieten zu können. Der Soldiner Kiezverein sagt seine Hilfe ohne lange  Debatte zu. „Wir sind gespannt, was die jungen Leute von der Wilden 17 in den Verein einbringen“, sagt Thomas Kilian anschließend. Sollte es durch die „jungen Leute“ zu einer Veränderung des Vereins kommen, so hätte zumindest Vorstand Thomas Kilian nichts dagegen. „Uns ist wichtig, im Spiel zu bleiben“, begründet er die Kiezhilfe für die wilden Nachbarn. "Für eine gute Sache lassen wir uns gern ausnutzen", sagt er mit einem Augenzwinkern.

Webseite des Soldiner Kiezvereins

20.03.2019