Mieterbeirat im Soldiner Kiez hat jetzt Sprechstunden

Im Interview spricht Robert Schimanek vom Mieterbeirat der Degewo über Mieten und sicheres Wohnen. Er erklärt die Aufgaben des Mieterbeirats und in welchen Fällen er helfen kann.

Mieterbeirat

Der Mieterbeirat - von links: Robert Schimanek, Julian Barfknecht, Raphael Rathje, Sabine Ott. Foto: Lena Reich

Der Mieterbeirat der Degewo für den Soldiner Kiez wurde im Juli 2017 von rund 750 Haushalten gewählt. Was ist die Idee dahinter?

Robert Schimanek: Das Angebot des Mieterbeirates konzentriert sich zuallererst auf die umfassende Informationsversorgung der Mieter rund um die Themen Miete und Wohnen. So informieren wir über Bau- und Sanierungsvorhaben oder Änderungen des Wohnumfelds im Quartier.

Ab 6. Juni wird es dank des Familienzentrums und der Nachbarschaftsetage eine Sprechstunde in der Fabrik Osloer Straße geben. Wir sind für die Mieter des Quartiers Soldiner Kiez jeden 1. und 3. Mittwoch eines Monats um 18 Uhr da, geben Auskunft, beraten bei Fragen des Wohnumfeldes, bringen Tipps und Tricks unter die Menschen und hören vor allem zu. Als gewählte Vertreter der Mieter sind wir DIE Möglichkeit, Wünsche oder Bedürfnisse zu bündeln und an die Wohnungsgesellschaft mit starker Stimme weiter zu leiten. Es ist angedacht, dass wir so gemeinsam mit den Mietern Veränderungen des Wohnumfelds anstoßen können.

Bei der Degewo handelt es sich um eine staatliche Wohnungsgesellschaft, die zunächst als sicher gilt. Wie ist die Lage bei den staatlichen in Berlin? Sind Mieter hier sicher vor der Mietenexplosion?

Robert Schimanek: Ungefähr 300.000 landeseigene Wohnungen gibt es in Berlin, verwaltet und vermietet werden sie von sechs Gesellschaften: Degewo, GESOBAU, Gewobag, HOWOGE, STADT UND LAND und WBM. Das Land Berlin ist deren Eigentümer und Gesellschafter. Diese Unternehmen, GmbHs bzw. Aktiengesellschaften arbeiten allerdings ziemlich eigenständig. Ihr Ziel ist es, in den Kiezen verwurzelt zu sein. Dabei wollen sie sich sozial engagieren und, wer hätte es anderes erwartet, wirtschaftlich erfolgreich agieren. Wie das so mit Zielen und der Umsetzung ist, klappt das mal besser und mal schlechter.

Was der einzelne Mieter bezüglich der Miete als sicher empfindet ist natürlich subjektiv. Persönlich bin ich zum Beispiel in “Sicherheit”, wenn die Mietensteigerungen sich leicht über der Inflation orientieren. Andere wünschen sich Traumpreise zurück, die sie in der letzten Wohnung vor 10 Jahren mit Kachelofen gezahlt wurden. Auch hier ist unsererseits Aufklärungsarbeit zu leisten. Wohnen kostet Geld, egal ob es eine nachhaltige Heizung, die Reparatur einer Treppe ist oder eine zusätzliche Aufräumaktion der Hausmeister im vermüllten Innenhof ist.

Also gehören die sechs zu den "Guten"?

Robert Schimanek: Tatsache ist, dass die landeseigenen Wohnungsunternehmen strengeren Richtlinien unterliegen verglichen mit denen in privater Hand. So beschränkt das Land beispielsweise die Landeseigenen stärkere Mieterhöhungen durchzuführen. Auch lässt sich ablesen, dass die Landeseigenen dazu veranlasst sind Immobilien zu halten oder neue zu erwerben. Ganz allgemein ist es positiv zu bewerten, dass bei den sechs der wichtigste Kunde der Mieter und nicht der Aktionär ist. 

Hilft der Mieterbeirat bei Kommunikationproblemen der Degewo oder den Mietern?

Robert Schimanek: Wir sind auch gewählt, um als Vermittler beziehungsweise Mediator bei Meinungsverschiedenheiten rund um das Thema Wohnen zu agieren. Dafür müssen Themen vorliegen, die ein relativ breites Wohnumfeld betreffen. Persönliche Befindlichkeiten bezüglich des Hausmeisterteams oder dem Nachbarn, der jeden morgen um 7 Uhr mit dem Staubsauger Gassi geht, sind nicht ausreichend. Unsere Einschätzung der Relevanz wird im Einzelfall zu einer Mediation führen. Zunächst wollen wir bedacht starten und hoffen dabei natürlich auch auf die Resonanz der Mieter.

Wie empfinden Sie persönlich die Wohnraumsituation im Soldiner Kiez?

Robert Schimanek: Mehr als 10 Jahre wohne ich hier und habe viel über das Kommen des Weddings gehört. Sehr lange ist kaum etwas passiert, in den letzten Jahren hat er allerdings richtig kräftig losgelegt und jetzt kommt er wirklich, auch der Soldiner Kiez. Junge Familien ziehen her, alte Kiezkneipen schließen, hippe Cafés mit Tischen für Frappochinos und MacBooks ploppen auf und manch ein Spielplatz ist sauberer als ich es mir je erträumt habe. Solche Prozesse haben Vor- und Nachteile sowie Gewinner und Verlierer. Selbstredend wirkt sich diese auf die Miete und das Umfeld aus. So wird in meiner direkten Nachbarschaft nachverdichtet, saniert und Bekannte sowie Freunde berichten über hohe Mieten von bis zu 12 Euro kalt je Quadratmeter. Das beunruhigt viele, auch meine Nachbarn und die Bekanntschaften im Kiez.

Wie kann man dagegen angehen?

Robert Schimanek: Teilhabe ist nicht nur Privileg, sondern irgendwie auch Pflicht. Jeder sollte sich irgendwie einbringen, um uns allen die Stadt als schönen Wohnraum zu erhalten. Als ich von der Möglichkeit gehört habe, sich im Mieterbeirat zu engagieren, musste ich nicht lange überlegen. Ich habe mich freiwillig gemeldet und möchte jetzt aktiv mitgestalten.

Weiterführende Informationen:

Facebookseite des Mieterbeirats der Degewo für den Soldiner Kiez